Auszug aus einem Bericht der OVZ vom 19.07.1967
Überschrift : Kommission verabschiedete sich im uralten Backofen
Obwohl sich nach den Worten der Kommission in den beiden Jahren seit dem letzten
Wettbewerb sehr viel in Oberagger günstig verändert hat, sind die fleißigen Bewohner doch
etwas enttäuscht, daß sie beim Kreiswettbewerb nicht auf Platz 1 landeten. Sie verwiesen
darauf, daß Oberagger alles aus eigener Kraft und nur mit den bescheidenen Mitteln des
Ortsvereins und der Bürger geschafft hat.
Denn sie haben wirklich viel geschaffen. Auf dem Autowanderparkplatz prangt eine alte
Kutsche, mit Blumen gefüllt, mit einem uralten Reisekoffer und einem Prachtzylinder
geschmückt. Der "Busch" wurde so ausgeforstet, daß die 250 Jahre alten Buchen nicht
mehr im Verborgenen ragen.
Die Kommission lobte das Ehrenmal und dessen Blumenschmuck. Der Clou aber war
unbestritten der alte "Backes", der Dorfbackofen, der so instandgesetzt wurde, daß die
Dorfbewohner wirklich wieder darin backen können. Zur Besichtigung war er feierlich ein-
geweiht worden, und zwar im wahrsten Sinne des Wortes: die Kommission überzeugte
sich mit eigener Zunge von der Qualität des Brotes und des "Platz", die im Backes geduftet
hatten. Außerdem wurde ihr die bergische Kaffeetafel im Backes selber gereicht. Ein
Vergnügen, das die Herren vermutlich bei noch keiner Besichtigung erlebt haben.
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| Das alte Backhaus in Oberagger, 1967 renoviert |
Auszug aus einem Bericht der OVZ vom 10.04.1968
Für die Dorfbewohner hat die Arbeit für den Wettbewerb "Unser Dorf soll schöner werden"
jetzt schon begonnen. Die Frauen werkeln in den Gärten, daß es eine Pracht zu werden
verspricht, und der Ortsverein trifft die "großen" Vorbereitungen zur Verschönerung des
Dorfes, das bereits einmal das schönste des Oberbergischen Kreises war.
Dazu gehört, daß die alte Scheune neben dem "Backes", dem Dorfbackofen abgerissen
wird. Erwin Adolphs, der Besitzer, hat sie dem Ortsverein zur Verfügung gestellt. Sie wird
in diesen Tagen abgerissen, um einer Grünanlage Platz zu machen. Gleichzeitig will der
Aggerverband den Spicherbach, der mit seinem klaren frischen Wasser Spziergängern
wie Kindern die gleiche Freude bereitet, regulieren und ausbauen. Der Bach hat den
Anliegern viel Kummer bereitet, denn im jeden Jahr fast führte er Hochwasser. Das wird
nun behoben.
Diese reizvolle Ecke im Dorf, in der der Backes in frischem Anstrich leuchtet, dürfte dann
eines der hübschesten Fleckchen sein. Die sechs alten Buchen, die es im Halbkreis
umschließen, sind mehr als 300 Jahre alt, der Backes soll zu einem kleinen Museum
ausgestaltet werden. Die ersten Anfänge dazu sind bereits gemacht, jetzt sucht der
Ortsverein noch nach alten Geräten, wie man sie früher zum Backen benutzt hat.
Zu Weihnachten wurden dem Backes damals die Stuten anvertraut, während der Woche
sorgte er für das gute, kräftige Brot.
Auszug aus einem Bericht der OVZ vom 10.12.1968
Während der Nikolaus am Samstag mit Hans Muff durch den Ort zog und über 100
gutgefüllte Tüten an die Kinder verteilte, feierten die Ortsbewohner zugleich mit dem
Richtfest am alten Backhaus den Abschluß dreier Bauvorhaben für den Wettbewerb
"Unser Dorf soll schöner werden".
Die erste Baumaßnahme : Der Waldwirtschaftsweg von Oberagger nach Breidenbach
ist fertig geworden. Die Gemeinde Denklingen finanzierte diesen Beitrag zur Verschö-
nerung des Ortes. Weiter wurde die Einmündung der Kreisstraße nach Hahnbuche
fertig. Arbeiten, die es dem Ortsverein ermöglichen, nachdem der Aggerverband den
Spicherbach reguliert hatte, den "Backes" , dem im vergangenen Jahr renovierten
Backhaus , mit einer schönen Anlage zu umgeben.
Die Ortsgemeinschaft setzte zusätzlich Bordsteine um die Anlage, teerte die Wege,
renovierte die Brücke über den Bach und bepflanzte die kleine Anlage, die nun auch
dieser Ecke, an der die alte Scheune abgebrochen wurde, ein freundliches Aussehen
gibt.
Wie Vorsitzender Friedel Schmalenbach beim Richtfest im Backhaus mitteilte, soll bis
zum Wettbewerb noch eine Parkanlage am Autowanderparkplatz geschaffen werden.
Die Ortsbewohner haben bereits wieder eine Anzahl von Neubepflanzungen vorgenommen.
Der Clou soll das Backmuseum im Backhaus sein, dessen erste Ansätze beim Richtfest
bereits sichtbar waren.
Der Raum- nun mit Tischen und Stühlen und einem alten Ohrensessel ausgestattet- ist
mit alten Dreschflegeln, einer schön bemalten Uhr, alten Backformen, Petroleumlampen
und Geräten- so einem "Esel" , einem Tragholz für Eimer, das noch vom Platten Wilhelm
stammt- ausgestattet. Zum Richtfest bullerte der Kanonenofen und immer wieder wiesen
die Ortsbewohner auf den alten kaiserlichen Reichsadler, der auf einer Fahne die Wand als
Prunkstück zierte, hin.
Bäckermeister Fritz Heinrichs hatte 100 Stutenmänner für die Kinder im Backhaus
gebacken.Beim Richtfest wurden dann die Prachtmänner für die Erwachsenen gebacken,
die nach eigener Aussagewillens waren , sie mit "Rump und Stump" aufzuessen.
Demnächst soll auch wieder öfter kerniges Bauernbrot im Backes duften , er funktioniert
heute noch so gut wie vor 100 Jahren. Allerdings betonte Friedel Schmalenbach, daß der
Teig dazu nicht nach alter Tradition mit den Füßen geknetet würde.
Der Rest des Richtfestes war ein Dorfabend, der es in sich hatte. Die Fleißigen, die zum
Wettbewerb rüsten, konnten an diesem Abend einmal ausruhen, bis es dann im Frühjahr
an die Arbeit zur Verschönerund des Ortes geht.
Auszug aus einem Bericht der OVZ vom 29.07.1983
Im 20.Jahrhundert und besonders nach 1950 nahm das Brotbacken in den oberbergi-
schen Dörfern immer mehr ab.
Die Backhäuser wurden umfunktioniert zu Schweine- oder Hühnerställen, aber auch zu
Abstell- und Waschräumen. Viele sind in einem baufälligen Zustand, andere schon
zusammengefallen. Das "Backes" , das früher eine wichtihe Rolle in der Familie spielte,
steht heute ofz als ungenutztes Objekt vergessen im Hof. Sogar in dem fast 360 Jahre
alten Gemeindebackhaus in Oberagger, ist der Backofen zusammengebrochen.
Statt ständig Besucher zu haben, steht es einsam mit zunagelten Türen da. Von fast
20 untersuchten Backhäusern werden nach Feststellung des Amtes für Rheinische
Landeskunde nur ein Viertel heute noch gepflegt.
Auszug aus der Niederschrift der Vorstandssitzung vom 1. April 1984
Überschrift: Renovierung Backhaus
Der renovierungsbedürftige Zustand des Backhauses wird vorgetragen und diskutiert.
Das Backhaus weist Schäden am Dach auf, der Backofen ist eingestürtzt, die Außen-
tür muß repariert werden , Feuchtigkeit schlägt durch Decke und Außenwände.
Eigentümerin des Backhauses ist Ruth Pack. Es wurde 1967 von der Ortsgemeinschaft
renoviert und bis zum Bau des Dorfhauses 1973 genutzt. 1983 wurde das Backhaus
unter Denkmalschutz gestellt.
Die Gemeinde Reichshof wurde mit Schreiben vom 27.3.1984 auf den Zustand hinge-
wiesen.
Die erforderliche Renovierung dürfte hohe Kosten verursachen.Die Ortsgemeinschaft
übernimmt keine Kosten für die Renovierung, darüber sind sich die Anwesenden einig.
Die Renovierungskosten müßten in erster Linie vom Landeskonservator getragen werden.
Weiterhin muß die Gemeinde Reichshof tätig werden.
Eine Reaktion auf das Schreiben vom 27.3.1984 bleibt abzuwarten.
gez.:
| Schmalenbach , I Vorsitzender | Gennies , Schriftführer |
